Interview mit Dr. Malte Kaufmann (AfD) für Tatsachen.info

Dr. Malte Kaufmann (AfD)

Veröffentlicht am 21.10.2017 unter folgendem Link: https://tatsachen.info/politics/1126-interview-mit-dr-malte-kaufmann-afd-fuer-tatsachen-info

1) Sie waren 14 Jahre CDU-Mitglied und begründeten Ihren Austritt mit dem „Linksruck“ der CDU; haben Sie Ihre politische Heimat in der AfD gefunden?

Ja. Ich fühle mich in der AfD pudelwohl. In der CDU eckte ich mit meinen Ansichten häufig an, obwohl ich eigentlich genau das vertrat, was die CDU selbst über Jahrzehnte propagierte. Dann beteiligte ich mich bei der „Demo für alle“ und trat in meinem Heimatbundesland Baden-Württemberg als Redner gegen die Gender-durchtränkten Bildungsplanreformen auf. Auch das wurde nicht gern gesehen. Seit meinem Engagement für die AfD spüre ich nun überall Rückendeckung und ich fühle mich richtig frei, meine konservativen Ansichten zu äußern. Die durch die Medien geprägten Bedenken vor Eintritt in die AfD, hier seien viele „Rechtsradikale“ aktiv, haben sich in keinster Weise bestätigt. Stattdessen treffe ich überall Menschen, die gesunden Menschenverstand haben und mit denen ich auf einer Wellenlänge schwimme. Ich bin nun ein Jahr für die AfD aktiv, das war politisch gesehen das bisher schönste Jahr meines Lebens.

2) Frauke Petry hat der AfD den Rücken gekehrt und ist, unter Mitnahme der Mandate, von ihren Ämtern zurück und aus der Partei ausgetreten. Begründet hat Sie das, unter anderem, mit einem „Rechtsruck“ in der Partei. Wie stehen Sie zu dieser Begründung und der Mandatsmitnahme?

Ich finde das ehrlich gesagt Betrug am Wähler. Denn Frau Petry wurde ja auch wegen der AfD gewählt. Sie sollte ihre Mandate unverzüglich zurückgeben. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie jemand, der Tage zuvor noch ausdrücklich um Stimmen für eine Partei geworben hat (dazu noch mit Baby auf dem Arm), plötzlich von jetzt auf nachher behauptet, eben diese Partei sei zu „extrem“. Das passt überhaupt nicht zusammen. Ich vermute daher, dass sie einfach viel zu viel von sich selbst überzeugt ist. Sie denkt wohl, sie sei unverzichtbar für die Partei gewesen und war anscheinend aus nicht nachvollziehbaren Gründen in ihrer Ehre gekränkt. Ich glaube jedoch, dass sie mit ihrem Projekt keinen Erfolg haben wird. Wer will sich denn einer Partei anschließen, die sich erst Mandate erschleicht und dann eigentlich vom Inhalt her genau die gleiche Politik machen will, wie wir? Frauke Petry wird ein ähnliches Schicksal erleben wir Bernd Lucke, da bin ich mir sehr sicher.

3) Sie waren als Direktkandidat für die Bundestagswahl aufgestellt und haben das Mandat nicht erringen können. Welche Ursachen würden Sie hier benennen wollen?

Es war von vornherein klar, dass es in der Studentenstadt Heidelberg – ein ausgesprochen links-grünes Pflaster – sehr schwer werden würde. Entsprechend stark schnitten SPD und Grüne ab. Da der Wahlkreis aber noch das Umland umfasst, wo die CDU traditionell stark ist, hat letzten Endes der CDU-Abgeordnete wieder gewonnen, der schon seit 23 Jahren im Parlament ist. Trotzdem haben wir die Herausforderung mit Elan angenommen und konnten ein durchaus achtbares Ergebnis holen. Ich habe einen Vergleich mit anderen westdeutschen Studentenstädten gesehen, den ein Kandidatenkollege angefertigt hatte. Da lagen wir sogar ganz oben. Zudem hat unser Wahlkampf auch für die AfD insgesamt positiv beigetragen. Wir waren ein dynamisches, voll motiviertes Team mit ca. 45 Leuten, die jeden Tag neue Ideen entwickelten. So sind wir beispielsweise mit Segways durch die Stadt gefahren, haben ein Solarboot gemietet und mit Beatrix von Storch zusammen politisches „Speed-Dating“ mit den Gästen gemacht, haben unser Wahlplakat mit einer Drohne durch den Wahlkreis geflogen, haben auffallende Tipis gebastelt, AfD-Maibäume mit A0-Plakaten an Laternenpfählen gebaut und, und, und …
Es war schön mitzuerleben, wie sich so viele Leute engagierten und riesen Spaß dabei hatten. Die Stimmung war fast ein wenig wie zur Zeit des Hambacher Festes. Rentner, Studenten, Angestellte, Frauen, Männer, querbeet vertreten aus dem bürgerlichen Lager. Bei der CDU musste man die Leute dazu prügeln, mal zu einem Stand zu kommen. Das zeigt: Wir treffen den Nerv der Konservativen, die unser Land vor dem linksgrünen Untergang retten wollen.

4) Es gibt viele Baustellen in unserem Land. Wo sehen Sie Ihre Hauptaufgabe in den nächsten Jahren?

Ich möchte wie bisher der AfD helfen, wo es geht und wo ich gebraucht werde. Meine Social Media-Kanäle haben dankenswerter Weise eine hohe Reichweite, diese möchte ich intensiv nutzen. Darüber hinaus schreibe ich regelmäßig für den Deutschland-Kurier. Das ist eine weitere reichweitenstarke on- und offline-Plattform, über die wir unsere Positionen einem breiten Publikum zugänglich machen können. 
Es reizt mich auch weiterhin sehr, die Politik unserer Partei im Parlament zu vertreten. Mal sehen wie und wo, wer weiß ob es bald Bundestagsneuwahlen gibt? Und bald steht ja auch die Europawahl an. Europapolitik hat mich schon immer sehr interessiert. Immerhin wird ein großer Teil der deutschen Gesetze bereits vorher in Europa ausgebrütet oder es wird in irgendeiner Weise auf Brüssel Rücksicht genommen. Deshalb müssen wir gerade auch auf dieser Ebene deutlich unsere Positionen vertreten: Nämlich dass wir für ein Europa der souveränen Nationalstaaten sind und gegen die Vereinigten (Schulden-)Staaten von Europa! 
Vor Ort steht bei der AfD Heidelberg gerade ein Generationswechsel an, und ich werde auch hier neue Aufgaben übernehmen. Darüber hinaus werde ich wie bisher andere AfD-Verbände mit Vorträgen, Gesprächsrunden, Podiumsdiskussionen und Moderationen unterstützen. Darauf freue ich mich sehr, denn überall merke ich, dass wir eine große Familie sind, die die Sorge um die Zukunft unseres Landes eint. Ich werde gerne nächstes Jahr insbesondere auch bei den anstehenden Landtagswahlen in Hessen und Bayern im Wahlkampf helfen, damit unsere Partei auch in diesen Bundesländern stark vertreten ist. Der Bundestag und alle Landtage blau gefärbt – das wäre doch ein riesen Erfolg und eine Bestätigung für unsere Politik!
Ich war dieses Jahr übrigens auch in Sachsen im Wahlkampf und habe zusammen mit Maximilian Krah den direkt gewählten Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla in Görlitz bei einer Veranstaltung unterstützt. Das war für mich wirklich einer der Highlights im Wahlkampf. Ich bin froh, dass es so viele vernünftige Leute in Sachsen gibt, die die AfD mit einem herausragenden Ergebnis gewählt haben. Irgendwie habe ich den Eindruck, da ist die Welt noch in Ordnung!

5) Was erwarten Sie von der Bundestagsfraktion der AfD in den kommenden Jahren?

Die AfD-Bundestagsfraktion wird in den nächsten Monaten und Jahren zeigen, dass die Partei sehr wohl in der Lage ist, auch auf Bundesebene konstruktive Oppositionsarbeit zu leisten. In den ersten Wochen haben unsere Abgeordneten schon eindrucksvoll gezeigt, dass sie professionell arbeiten. Es gibt wichtige Punkte auf der Agenda, die unsere Fraktion verfolgen werden, beispielsweise den Untersuchungsausschuss Merkel oder auch eine bessere Debattenkultur über die Regierungsarbeit im Deutschen Bundestag, wie aktuell von Alexander Gauland gefordert. Dazu kommt, dass AfD-Abgeordnete nicht nur in Bundestagsausschüssen, sondern auch in diversen Aufsichts- und Verwaltungsratsgremien sitzen werden, beispielsweise in den Rundfunkräten, bei der KfW, bei der Stasi-Unterlagen-Behörde oder bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Wir werden deutliche Akzente im Sinne einer bürgerlich-konservativen und patriotischen Politik erleben. Dies wiederum wird dazu beitragen, dass sich unsere Partei langfristig in der Parteienlandschaft etablieren wird. Und mittelfristig wollen wir schließlich Regierungsverantwortung in unserem Land übernehmen!

6) Wie sehen Sie die Entwicklung unseres Landes unter einer Jamaika-Regierung?

Ehrlich gesagt: Sehr negativ. Unter Jamaika würde der Linkskurs der vergangenen Jahre zementiert. Man hat ja schon bei dem Possentheater der CDU/CSU um die „Obergrenze“ deutlich gesehen, dass Merkel nicht bereit ist, irgendetwas an ihrem Kurs zu ändern. Ich habe jedoch die Hoffnung, dass die Defizite unseres Landes unter dieser Koalition dem Wähler deutlicher werden als bisher und die AfD dadurch bei jeder weiteren Wahl stärker wird. Wie soll es auch anders sein? Wir bräuchten eine drastische Kurskorrektur in so vielen Bereichen. Dazu ist dieses Vierer-Bündnis auf keinen Fall in der Lage.

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